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Permanente Ausstellung

Eines der jüngsten Museen der Schweiz, das erste regionale Touristik-Museum, öffnete l980 seine Räume in einem Haus, das in der Altstadt von Unterseen drei Jahrhunderte hindurch die ganze Entwicklung gewissermassen selbst miterlebt hat. Die Gemeinde hat es für den neuen Zweck zur Verfügung gestellt und umgestalten lassen. Im Dachstock sind noch über zwanzig Meter lange Balken aus dem Jahr l686 zu bewundern, die beim Umbau geschickt in die Raumgestaltung des Dachstocks einbezogen wurden. Der Dachstock dient zeitlich begrenzten Sonderausstellungen, die meist eine Saison hindurch gezeigt werden. Zielsetzung des Museums ist die Darstellung des Tourismus im Berner Oberland in all seinen Erscheinungsformen von den Anfängen bis zur Gegenwart. Die ständige Ausstellung ist in drei Stockwerken untergebracht.

Im Erdgeschoss wandert der Besucher zurück ins l9. Jahrhundert und begegnet dabei der Postkutsche von Habkern, einem Postboten in malerischer Uniform, einem der alten Stundensteine, die einst für den Fusswanderer die Entfernung von Bern in Wegstunden markierten und nicht zuletzt dem ersten Velo alias Fahrrad, das in Interlaken "zirkulierte".

Auf dem Rundgang im ersten und zweiten Stock breitet sich die eigentliche Entwicklungsgeschichte des Tourismus vor dem Besucher aus. Wie Albrecht von Haller, Jean Jacques Rousseau und Johann Wolfgang von Goethe das Verständnis der Alpen wandelten und damit zum ersten Mal einen massenhaften Fremdenverkehr einleiteten, wie das einfache Leben und die Bräuche der Menschen - am bekanntesten ist der Kiltgang im Gebirge weltweites Interesse auf sich lenkten, wie in immer neuen Techniken vom Kupferstich bis zur Fotolithographie Bilder aus den Alpen vervielfältigt und verbreitet wurden, wie die ersten Alphirtenfeste von Unspunnen gewaltige Werbewirkung ausstrahlten und wie schliesslich der Besuch des Berner Oberlands geradezu als unverzichtbarer Bestandteil der Bildung empfunden wurde - das alles wird anhand zahlreicher origineller Exponate - Modelle, Bilder, Dokumente und erläuternder Texte - nachgezeichnet. Die Geschichte der Gastronomie bildet auch hier ein Kapitel für sich. Es führt zurück in die Anfänge des Fremdenverkehrs, da die wenigen Gasthäuser den Erwartungen der weitgereisten Besucher nur selten zu entsprechen vermochten und deshalb neben privaten Unterkünften vor allem das Pfarrhaus auch als Herberge dienen musste. Wie dann in der zweiten Hälfte des l9. Jahrhunderts aus den bescheidenen Gasthöfen im Chaletstil imposante und komfortable Hotels entstanden und wie ihr Luxus damals ausgesehen hat, wird an allerhand Beispielen illustriert, unter anderem am Tafelgedeck und den Toilettenutensilien eines erstklassigen Hauses. Die Eröffnung der Dampfschiffahrt auf dem Thunersee im Jahr l 835 gab dem Fremdenverkehr im Berner Oberland neue Impulse. Ein Modell der "Bellevue", des ersten Thunersee-Dampfers, ist zusammen mit einem originalen Steuerrad zu sehen. Weiter zeigen wir ein Modell des letzten Thunerseedampfers: der Blümlisalp. Nach dem Schiffsverkehr führte die Eisenbahn in die nächste Epoche des Tourismus. Wie sie für Interlaken und seine Umgebung begann, zeigt das reizvolle Modell eines Zuges der Bödelibahn mit den originellen doppelstöckigen Wagen und der zweiachsigen Dampflokomotive "Zephir" im Massstab l:20. Als eines der wertvollsten Sammlungsstücke gilt indessen die voll betriebsfähige Brünigbahn-Dampflokomotive im Massstab l:5.5, die in mehreren tausend Arbeitsstunden von Lokomotivführer Werner Eckardt aus Luzern angefertigt wurde. Auch der Bergbahnentwicklung gibt das Museum breiten Raum. Drei Pionierleistungen werden dabei besonders hervorgehoben: die Giessbachbahn (l879) als Standseilbahn mit Wasserübergewicht, der Wetterhornaufzug in Grindelwald (l908) als erste Luftseilbahn der Welt und die Jungfraubahn (l896-l9l2), die von Anfang an elektrisch betrieben wurde. Auch die Brienz-Rothorn-Bahn (l892) wird in der Darstellung der Bergbahnentwicklung gewürdigt; als einzige fährt sie noch heute regelmässig mit Dampf. Nach langem Stillstand zwischen l9l2 und l945 führte besonders der Aufschwung des Wintersports zu einer neuen Erschliessungsphase von Berggebieten, diesmal vor allem mit Ski- und Sesselliften. Wie daneben auch kühne Gondelbahnen entstanden, führen die Beispiele von First und Niederhorn eindrucksvoll vor Augen. Die Entwicklung des Wintersports lässt sich auch an einer Skisammlung mit den entsprechenden Bindungen nacherleben, an den modischen Veränderungen der Sportbekleidung und sogar an den Schlitten: der viersitzige "Tartarin", der Bob von 1910 aus Grindelwald, zeigt deutlich, welchen Wandel auch diese Art von Sportgerät durchlaufen hat. Die Geschichte des extremen Alpinismus, für den im Berner Oberland die Eigernordwand noch heute einen Eckpfeiler mit Weltgeltung bildet, beschliesst den informativen Rundgang durch die permanente Ausstellung des Touristik-Museums. Dabei wird aber auch deutlich, dass die eigentliche "Eroberung" der Berner Alpen weniger vom Eiger als vielmehr von der Erstbesteigung der Jungfrau am 3. August l8ll ausgegangen ist. Erst viel später, am ll. August l858, wurde der Eiger erstmals bezwungen.

© Touristik-Museum der Jungfrau-Region, CH 3800 Unterseen - Interlaken