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Unspunnen - Die Geschichte der Alphirtenfeste

Ein
kurzer Abriss der Unspunnenfeste 1805 - 1993
Vier
Stadtberner, der Altschultheiss Friedrich von Mülinen, der Oberamtmann von
Interlaken Friedrich Ludwig Tormann, der "Kunstliebhaber" Franz
Sigmund Wagner und der Kunstmaler Franz Niklaus König in Unterseen taten sich
zusammen und luden auf den 17. August 1805 zu einem helvetischen Alphirtenfest
auf dem Bödeli ein.
Während
der Zeit der Helvetik (1798 - 1803) bildete das Berner Oberland einen eigenen
Kanton. Stadt und Land waren einander gleichgestellt, das wirtschaftliche
Monopol der Zunftherren und Patrizier wurde durch die gesetzlich verankerte
Gewerbe- und Handelsfreiheit abgelöst. Als 1803 Napoleon der Schweiz mit der
Mediationsakte eine neue Verfassung aufdrängte, wurde das Oberland wieder mit
dem alten Kantonsteil vereinigt, die bisherigen politischen Rechte aufgehoben
und die Herrschaft der Patrizier restauriert. Unter der Parteibezeichnung
"Patrioten" entfalteten die Gegner der Patrizier eine lebhafte Tätigkeit.
Die Regierung errichtete heimlich ein Spitzelnetz über den ganzen Kanton. Die
Patrioten begriffen die doppelbödige Absicht der Stifter der Alphirtenfeste:
Mit einem ländlichen Fest zur Wiederbelebung der Volksbräuche, die während
dem Franzoseneinfall stark gelitten haben, sollte zugleich auch eine Versöhnung
zwischen der Stadt und dem Land einhergehen und damit eine Restauration der
stadtbernischen Vorherrschaft erzwungen werden. Als mythologischer Hintergrund,
der die Versöhnung zwischen Stadt und Land anschaulich aufzeigte, lieferte die
angebliche Beendigung einer langen Feindschaft zwischen Herzog Berchtold V. von
Zähringen, dem Gründer der Stadt Bern, und dem Freiherrn Burkhard von
Unspunnen im 12. Jahrhundert.
Das
Fest hatte aber auch wirtschaftliche Komponenten. Der Sieger des Alphornblasens
erhielt ein spanisches Mutterschaf mit Lamm, um den grossen Wollertrag dieser
neuen Rasse zu demonstrieren.
Das
Fest nahm einen glänzenden Verlauf. In einem Umzug wurden die Gäste von der
Gasthausmatte in Interlaken nach dem Festplatze zu Füssen der Ruine Unspunnen
geleitet, auf der die Wettkämpfe ausgetragen und die Tafelfeierlichkeiten
durchgeführt wurden.
Mehrere hundert Damen und adelige Herren - die Patrizier hatten ihre
Standesgenossen im Ausland persönlich eingeladen - und Dank der gekonnt
platzierten Reklame in Pariser Zeitungen, nahmen vom Grafen bis zum Erbprinzen
an den Tischen Platz. Die Sieger und Stifter des Festes sassen je an einer Table
d'hôte, während das Volk zum ersten nationalen Picknick im Schatten grosser Bäume
lagerte.
Die
befürchteten Ausschreitungen blieben zum Glücke aus und ein wesentliches Ziel
des Festes, die Erhaltung der Sitten und Gebräuche der Hirten wurde erreicht.
Die Einnahmen kamen fast vollumfänglich dem Bödeli zu Gute. Die
Berichterstatter in der in- und ausländischen Presse berichteten sehr
wohlwollend über das Fest und sorgten dafür, dass das Bödeli und die Naturschönheiten,
aber auch die Sitten und Gebräuche weit herum bekannt wurden.
Das
Fest wurde nicht wie vorgesehen alle Jahr, sondern erst 1808 zum Jubiläum der
Eidgenossenschaft wiederholt. Die Spannungen zwischen dem Oberland und der
Regierung führten dazu, dass selbst die Stifter ihrer Sache nicht ganz sicher
waren: "Am besten wäre vielleicht, wenn es das Ansehen hätte, als
veranstalteten die Talschaften des Oberlandes das gantz und alleine von sich
aus, und als würde von Bern aus dasselbe bloss unterstützt ..." Das
hinderte die Initianten jedoch nicht daran, bereits im März 1808 in der Pariser
Gazette in einem Inserat auf das Fest vom August aufmerksam zu machen.
Auch
dieses Fest war ein grosser Erfolg. Viele bekannte Gäste nahmen als Zuschauer
an den Festlichkeiten und Spielen teil. In ihrem Buch "De l'Allemagne"
widmete die Schriftstellerin Germaine de Staël dem Fest ein Kapitel und das
Bild vom Festplatz der französischen Malerin Elisabeth Vigée-Lebrun hing in
einem Pariser Salon und warben so für das Fest und auch das Berner Oberland.
Zahlreiche Aufsätze in Zeitungen, Reiseführern aber auch in Kinderbüchern
ermunterten die Fremden das "liebliche Tal zwischen den Seen" zu
besuchen.
Der
schwierigen politischen Verhältnisse wegen, verbat sich die Berner Regierung
weitere Feste. Doch die Fremden kamen noch 50, ja 70 Jahre später und besuchten
die Unspunnenmatte.
1905
wurde unter Leitung des rührigen ersten Tourismusdirektors des Berner
Oberlandes, Herrmann Hartmann die Jahrhundertfeier abgehalten und 1925 gar
wollte man mit regelmässigen Unspunnenfesten im Frühjahr die Saison früher
starten. Dies misslang aber, wiederum wegen politischer
Meinungsverschiedenheiten, diesmal jedoch wegen der Vereinigung der drei Bödeligemeinden
Matten, Interlaken und Unterseen.
Erst die Rückbesinnung auf innere Werte führten 1946 in einer schwierigen Zeit
zur Durchführung des vierten Unspunnenfestes. "Wir sind keine harmlosen
Hirten und Sennerinnen mehr, sondern Schweizerleute mit wissendem Herzen, die
durch das Unheil der Zeit gegangen sind, und die im Alltag des 20. Jahrhunderts
der angestammten Schweizerart ihren Platz erhalten und neu gewinnen möchten!",
rief der damalige Obmann der Schweizerischen Trachtenvereinigung dem Volke zu.
Weitere
Feste fanden in den Jahren 1955, 1968, 1981 und 1993 statt.
Ein
letztes Mal wurde das Unspunnenfest 1984 verpolitisiert. Die Béliers stahlen in
Touristik-Museum der Jungfrau-Region den Unspunnenstein.
Bild: Lutteurs, ou amusement pastoral sur le Grand Scheideck, Cantone de
Berne, Lamy-Verlag Bern, um 1820, kolorierte Umrissradierung.
Zum Unspunnen-Fest 2005 haben die Autoren Rudolf Gallati und Christoph Wyss die Geschichte der Alphirtenfeste
neu aufgearbeitet und in einem Buch veröffentlicht.
Aus dem Inhalt:
Die Geschichte der Alphirtenfeste 1805 und l808: Die Stifter des Festes, die Tradition der Hirtenfeste, die politischen Absichten zur Wahl des
Festortes, die Vorbereitungen, der Festverlauf, die Berichterstattung, die Wiederholung des Festes, die Werbung und die Auswirkungen auf das Berner Oberland und seinen Tourismus.
Die Unspunnenfeste des 20. Jahrhunderts: Das Unspunnen-Fest 1905, im Zeichen der Wirtschaftskrise 1926 (das Fest, welches nicht stattfand!), 1946, 1955, 1968, 1981 und das Signet von 1993. Die Sieger von 1805 - 1981.
Historische Texte: Die Festberichte von 1805 und 1808 von Sigmund Wagner, die Anzeige zur "Subscription des Alpen-Hirtenfestes
1805", drei Luzerner Junker am Hirtenfest 1806 oder wie drei Fremde das Kilten in Unterseen erlebten. Weiter finden sich darin die Berichte der Schriftstellerin Germaine de Staël und der Malerin Elisabeth
Vigée-Lebrun.

Das Buch kann bei uns zum Preis von Fr. 25.-- plus Porto und Verpackung bestellt werden.
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